Junior Park Ranger im Sequoia & Kings Canyon Nationalpark

Nachdem das Campen im Yosemite wegen dem Detwiler Fire ins Löschwasser gefallen ist, freuen wir uns nun um so mehr auf’s Zelten im Sequoia Nationalpark. Von Fresno aus geht es knapp 2’000 Höhenmeter hinauf in die Sierra Nevada, wo wir quasi mit einem „Tagesausflug“ in den Kings Canyon  beginnen. Die beiden Nationalparks Kings Canyon und Sequoia liegen direkt nebeneinander und werden von NPS auch nicht unterschiedlich behandelt.

Wir besuchen das Visitor Center in der Grant Grove um einen ersten Überblick zu bekommen. Und noch wichtiger: Wir holen das Junior Ranger Programheft für unseren Sohn ab. Das Junior Ranger Program ist für Kinder ab 5 Jahren konzipiert. Im Booklet sind diverse Aufgaben zu lösen. Dabei setzten sich die Kinder (und auch deren Eltern) auf spielerische Art und Weise mit allen Themen rund um den Nationalpark und die Arbeit des Rangers auseinander. Die Kinder lernen u.a. keinen Müll zu hinterlassen, was gut und was schlecht ist für die Natur und warum man wilde Tiere nicht füttern darf . Hat man genügend Aufgaben richtig gelöst, so wird man offiziell zum Junior Ranger ernannt. Mehr dazu aber später.

In der General Grant Grove drehen wir einen Loop, um die hier ansässigen Sequoiabäume zu bestaunen. Sequoias, genau genommen Sequoiadendron giganteum, sind die grössten Bäume der Welt. Nicht die höchsten, sondern die grössten; im Sinne des Volumens. Sie werden bis zu 95 Meter hoch und 35 Meter im Umfang. Die höchsten Bäume der Welt gibt es ebenfalls in Kalifornien (Redwoods Nationalpark), sind ebenfalls Sequoias, aber eben Sequoias sempervirens. Diese werden bis zu 115 Meter hoch, sind dann aber nicht mal halb so dick im Umfang. Nun aber genug Baumkunde für heute. Wir schlendern dem interessanten Lernpfad entlang und können an einer Stelle sogar noch durch einen umgefallenen Sequoia hindurchlaufen. Und wir entdecken auch das eine oder andere Eichhörnchen sowie Bambi und seine Kollegen.

Mittagessen gibt es im nahegelegenen General Grant Picnic-Area. Einer der schönsten Picknick-Plätze überhaupt. Ruhig, weitläufig und überall liegen umgefallene (lange) Baumstämme herum,  über die unsere Kinder springen, balancieren und ein Wettrennen zwischen Mama und Papa organisieren können. Unser Sohn will dann auch noch gleich eine erste Aufgabe in seinem Junior Ranger Heft absolvieren. Eine gute Abwechslung, weil dabei mal wieder gezeichnet, geknobbelt und geschrieben wird.  Für unsere Tochter (sie ist noch nicht fünf) haben wir vom Ranger eine Art Bingo-Sammelkarte gekriegt, wo wir alle Dinge ankreuzen müssen, die wir in der Natur draussen gesehen haben. Auch sie kann bereits das eine oder ander Feld ausmalen, Sequoiabäume, Eichhörnchen et cetera.

Wir fahren noch ein Stück weit in den Kings Canyon hinein um beim Junction View die tolle Aussicht zu geniessen. Und nun wollen die Kinder endlich unseren Schlafplatz für die nächsten drei Nächte sehen. Also fahren wir runter in den Sequoia Nationalpark. Der Dorst Creek Campground ist ein sehr einfacher Campingplatz (keine Duschen, keine Läden etc.), aber gerade deswegen gefällt er uns so sehr. Hier ist man wirklich in der Wildnis. Zumindest hatten wir jeden Abend Bären zu Besuch, was ja schon mal ein recht wilder Beweis ist. Die Campingmeute hat den Bären dann jeweils mit einem zünftigen Hup- und Pfeifkonzert in den Wald zurück verjagt, denn so haben es uns die Ranger beigebracht. Ja kein Bär zum Problembär werden lassen, indem man ihn an Essen heranlässt. Eine kluge Strategie. Würde auch in der Schweiz funktionieren, aber lassen wir das Thema.

Noch bevor unser Zelt steht haben sich unsere Kinder bereits mit den amerikanischen Nachbarskindern angefreundet. Unser Sohn noch etwas zurückhaltend, weil er ja kein Wort versteht. Die jüngere Tochter aber munter drauf los quatschend, ist ja egal ob das Gegenüber was versteht oder nicht. Hauptsache alle haben Spass. Wir öffnen eine gute Flasche kalifornischen Rotwein und lassen uns (endlich) mal in diesen Happy Camper Modus fallen. Es Bitzli Ferie! Endlich kommt auch unser Kocher zum Einsatz. Die Dame des Hauses (bzw. Zelts) lobt die Penne mit Fertigsauce in den Himmel, als wären wir in einem Gault Milieu Restaurant. Dazu gibt es die besten „so ähnlich wie Cervelat“-Würste, die man(n) je gegessen hat. Wirklich. Sensationell. Happy Campers we are!

Die Sonne scheint, die Temperaturen sind angenehm mild und das Morgenbrot fast so lecker wie die gestrige Penne. Wir sitzen auf unserer Picnic-Bank und planen bei einer Tasse Tee unseren Tag. Eine Wanderung auf den Morro Rock steht an. Wir fahren also die Nebenstrasse zum Cresent Meadow hinauf und staunen nicht schlecht ab diesem wunderschönen Naturschauspiel. Überall zwischen den (sonst schon grossen) Bäumen stehen diese Giganten mit ihren rot-bräunlichen Stämmen. Einige von ihnen sind mehr als 3’200 Jahre alt. Und was für eine Ruhe und Gelassenheit die dieser Wald aufsprüht, einfach toll.

Die Wanderung auf den Morro Rock ist ein Treppenlauf aufs Münster, 344 Stufen zählen wir. Oben ein toller Ausblick auf die High Sierra im Osten und die grossen Täler im Westen. 344 Stufen zurück und ein paar Schritte weiter treffen wir überraschenderweise auf eine Schwarzbärin mit 2 Jungen. Einfach so. Da stehen wir also. Und dort stehen sie. Dazwischen 20 Meter Freihandelszone. Zum Glück nimmt uns die Mutter aber nicht als Bedrohung war und sucht einfach weiter nach feinem Essen. Wir können ein Junges beobachten, wie es seine Kletterkünste trainiert und ein paar tolle Bilder der Mutter schiessen. Wie cool ist das denn. Not just happy, lucky Campers we are!

Zurück bei unserem Auto finden wir (eher per Zufall) einen riesigen, ausgebrannten Sequoia, bei welchem man durch eine kleine  Öffnung ins Innere treten kann. Das perfekte Spielhaus für unsere Kinder. Fast wie bei Winnie the Pooh. Am Schluss ist die ganze Familie im Baum drin, und es hat noch immer genügend Platz für weitere Gäste. Was für ein Spass.

Zurück auf dem Camping geht Mama mit den Kindern auf Schatzsuche. Ihr Ziel: Einen Tannenzapfen zu finden, der von Sohnemanns Handspitze bis zum Ellbogen reicht. Wetten, dass? Sie sind erfolgreich. Unglaublich diese Tannenzapfen, insbesondere wenn man hinter dem riesigen Teil nicht mal mehr die eigene Tochter beim Heranzotteln erkennt.

Am dritten Tag im Sequoia Nationalpark geht es zum grössten Baum der Welt, dem General Shermann Tree. Der Loop dort ist uns aber dann doch etwas zu touristisch und alles ist abgesperrt (was wir auch nachvollziehen können), weshalb wir uns nochmals auf die Nebenstrasse zum Cresent Meadow begeben. Wie im Waldkindergarten geniessen wir diese wunderbare Natur und die frische Luft auf etwas mehr als 2’000 müM. Für die Kinder folgt ein weiteres Highlight, als wir beim Tunnel Log mit unserem „Riesenkarren“ unter einem umgefallenen Sequoia Baum hindurchfahren.

Nach dem Mittagessen begeben wir uns auf die Cresent Meadow-Wanderung und stauen nicht schlecht über Hirsche, Eichhörnchen und Spechte, denen wir über den Weg laufen. Doch plötzlich ist da ein etwas grösseres Tier im äussersten Ecken unsere Blickfelds aufgetaucht. Ein Schwarzbär. Schon wieder. Der Bär kreuzt ein paar Meter vor uns den Wanderweg. Unser Adrenalin steigt kurzzeitig um ein paar Faktoren an. Doch auch dieser Bär hat kein Interesse an uns. Wir können ihn/sie noch einen kurzen Augenblick beim herumzotteln beobachten, bevor der Bär wieder ins Unterholz abtaucht. Very lucky and happy Campers we are!

Am nächsten und letzten Tag im Nationalpark haben wir noch zwei Pendenzen zu erledigen. Erstens ist mal wieder Duschen angesagt. Wir wollen im weiteren Verlauf des Tages noch ein Outlet besuchen, und da hätten sie ab unseren Körperdüften wohl nicht gerade Freude. Zweitens, und das ist noch viel wichtiger: Der Sohnemann will endlich Junior Ranger werden. Beides könne wir im Lodgepole Village erledigen.

Im Visitor Center nimmt dann ein echter Ranger (mit Hut, ist wichtig!) das Aufgabenbuch unseres Sohnes relativ genau unter die Lupe (kein Scherz!). Anschliessend hebt er die linke Hand und fordert unseren Sohn auf, seinen Eid zu leisten.

As a Junior Ranger, I promise to protect Sequoia and Kings Canyon National Parks.

I will Continue to Explorer, learn about, and take care of the natural world wherever I Go

Das es mit dem Nachsprechen der englischen Sätze nicht wirklich klappt wird vom Ranger selbsverständlich toleriert. Und dann ist es soweit: Unser Sohn kriegt offiziell den Badge des Junior Ranger überreicht.  Ihr könnt euch das glückliche (und sicherlich auch etwas stolze) Gesicht vorstellen. Unsere Tochter ist als nächstes dran. Wir haben nicht nur Bingo, sondern (dank den Bären) sogar jedes einzelne Feld der Sammelkarte abhaken können. Den Ranger freuts und unsere Tochter (etwas verhalten) auch. Sie ist noch zu jung um ein echter Junior Ranger zu werden, bekommt dafür aber eine Aufklebber-Badge geschenkt.

Für viele ist der Sequoia Nationalpark nur ein Park zweiter Güte. Nichts spezielles. Kennt ja zuhause sowieso niemand. Kann man mit einem „Ich-war-hier-Selfie“ auf Facebook keine Begeisterungswelle auslösen. Für uns ist er aber ein kleines Paradies. Nein, ein grosses Paradies. Und vielleicht ist er ja auch gerade deshalb ein Paradies, weil hier keine riesigen Touristenströme vorbei kommen. Also vergesst alles, was wir hier positives über den Sequoia Nationalpark geschrieben haben. Stimmt alles nicht. Ganz übel dort. Langweilig. Nichts spezielles. (Ausser ihr sucht das gewisse Etwas!)

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